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Vertrauensbildende Maßnahmen?

MAR

Button Links geht's zurück nach Europa mit der 'verpatzten' Verschiffung (Sommer 2023) …


Dez 07 2023

TOC-Eintrag Motorhome Dünenfeld bei Fezzou - erste Lichtblicke


Ein Dünenfeld lädt zum Verweilen ein …

Tausend Kilometer liegen schon hinter mir, als ich zum ersten Mal Kamera und Tagebuch zücke. Alles bisher war nicht eben fad, aber eben doch schon recht bekannt. Zudem scheint Marokko im vergangenen Jahr einen mächtigen Satz nach vorne gemacht zu haben. An jeder Straßenecke werden Paläste errichtet - nicht für den König -, die Straßen sind breit und frisch geteert, darauf rollen nur noch wenige Schrottlauben (allerdings mit Kamikaze-Fahrern), die Marok­kanerinnen sind oft schleierbefreit, bildhübsch und neugierig, ihre Männer freundlich und weit zurückhaltender als ich sie in Erinnerung habe! In jedem Fall ist Marokko nicht mehr die exotische, fremdartige Welt wie vor einen knappen halben Jahrhundert, als ich zum allerersten Mal hier war! [1] Oder auch noch im letzten Jahr!

Grafik Sollten da etwa Papa Scholz und Tante Svenja Schulze (derzeit Kanzler der Deutschen Lande resp. Ministerin für Wirtschaftliche zusammenarbeit und Entwicklung) ihre Finger im Spiel haben - und unser aller Steuergeld unter die Leute gebracht haben? Wegen seiner vielen Sonnen­stunden und dem Angebot, 'grünen' Wasserstoff zu liefern, wird das Land ja gerade mächtig hofiert!

Auch der Wettergott empfängt mich freundlicher: nachts ist es empfindlich kühl, doch fällt kaum ein Tropfen Regen. Kein Vergleich zu der Regen- und Schlammschlacht des letzten Winters! [hier ]. Selbst die Lady Grey schnurrt wieder wie eine Eins. Ob ihr Afrika gefehlt hat? emoticon


Gleich nach der 'Gorge du Ziz' taucht die Straße ins Tal des Qued Ziz ein.

Ein kleines 'Malheur' soll ebenfalls nicht verschwiegen werden werden, zur Abwechslung trifft es nicht die Lady, sondern den Beastmaster. An der Gorge du Ziz, dem offiziellen Tor zur Sahara hätte den um ein Haar nämlich der Blues erwischt: auf dem Weg zum Erg Chebbi war er schon ein halbes Dutzend Mal durch diese enge und überaus malerische Schlucht gerollt - und jedes Mal hatte ihn ein mächtiges Aufatmen erfüllt: "Endlich da, endlich in der heiß geliebten Wüste!" Der Stress, die Zwänge der Zivilisation lagen hinter ihm, vor ihm die Sahara mit ihrer grenzenlosen Freiheit! Im Stillen hatte er dann freudig Sven Hedin zitiert: "Jeder Mensch braucht dann und wann ein bisschen Wüste!"

Und diesmal? Nichts dergleichen! Kein Sven Hedin! Keine Vorfreude! Nicht einmal das leiseste Prickeln überkommt mich, als ich durch die sonnendurchflutete Schlucht rolle. Nur Leere, Gleichgültigkeit, beinahe ein Anflug von Angewidertsein angesichts des endlosen Nichts, des braunen Einerlei und der kargen Felsen. Eigenartig, in fünfundvierzig Reisejahren hat es so etwas noch nicht gegeben! Nicht einmal im landestypischen Onkel-Tarik-Laden [2], wo die ersten leckeren Hirsebrote in die Einkaufstüte wandern, ist Besserung zu verzeichnen: alles fühlt sich so normal, so 'zivilisiert', so 08/15 an! Der Blues ist nicht weit …


Idylle zwischen den Dünen bei Fezzou

Inzwischen ist davon keine Rede mehr - im Gegenteil! Den netten, von niedrigen Dünen gesäumten Nachtplatz der letzten Jahre gibt's nicht mehr - er wurde vom Winde verweht -, doch wenige Kilometer weiter finde ich einen weit verlockenderen Platz … zwischen richtig hohen Sandbergen und einige Kilometer von der Straße entfernt, so dass mich garantiert niemand aufstöbert. Was soll ich sagen: ein wüstes Idyll vom Feinsten! [3] Mit einem Schlag kehrt das 'richtige' Feeling zurück und einmal mehr bewahrheitet sich der Spruch: "Die Wüste ist Labsal für die Seele" (nicht von Sven Hedin).



Dez 31 2023

TOC-Eintrag Motorhome Tarifa - Welch ein Malheur!


Schon wieder ein Fall für die Werkstatt!

Gehört es etwa zum Gehabe einer noblen Lady, dass sie schon wieder zickt? Kaum habe ich nämlich das nette Dünenfeld verlassen und mich aufgemacht, die ausgedehnten Regionen Südmarokkos unter die Räder zu nehmen, da spinnt das Kupplungspedal von Neuem. Es geht nicht ins Leere wie vor Wochen auf der Autobahn, diesmal kommt es nicht mehr zurück und fühlt sich eigenartig weich an. An der Kontroll­öffnung hängen zudem ein paar Tropfen Flüssigkeit. Hydrauliköl? Mist! Also ist der Zentralausrücker noch immer nicht dicht! Was ich mir auf der Fahrt durch Spanien partout nicht eingestehen wollte - dort funktionierte alles so la la - wird nun zur bitteren Gewissheit! Mit einem Fußtritt saust die Stimmung, die sich in den letzten Tagen mühsam wieder aufgerappelt hatte, zurück ins Schwarze Loch. "Damit willst du doch nicht etwa in den Erg Chegaga? Dort kann dich keiner rausschleppen!"


Im idyllischen Seitental bei Zagora fällt die Entscheidung …

Ein Telefonat mit der heimischen Werkstatt macht auch nicht eben Mut und nach zwei schlaflosen Nächten mitten im Nirgendwo steht die Entscheidung: die Lady muss zurück nach Europa! Auf dem allerschnellsten Weg! Jeden Meter kann die Kupplung schließlich vollends versagen. Was dann? Abschlepper, die einen 10-Tonner auf den Haken nehmen könnten, habe ich in ganz Marokko noch nicht gesehen! Also mit zitternden Knien wieder ins Fahrerhaus klettern, die Kupplung drücken - ganz vorsichtig - und Gang einlegen. Dazu beide Daumen drücken, dass es schmerzt!

Doch die Lady besinnt sich ihrer Wurzeln, nach dem hundertsten Gangwechsel - mit Ein-/Auskuppeln - macht sich erste, vage Hoffnung breit. In Errachidia hatte ich ja schon eine MAN-Werkstatt ausgemacht, vielleicht schafft sie es wenigstens bis dorthin!

Kurzer Rede langer Sinn: die Lady schnurrt, als ob nie etwas gewesen wäre, ohne Zicken schafft sie die Bergstrecken über den Hohen Atlas, dann über den Niederen und auch auf der langen Autobahn nach Tanger gibt sie sich 'brav'. Vier Tage später stehe ich - ohne jeden Zwischenfall, aber mit noch immer schlotternden Knien - auf der Fähre, die mich zurück nach Tarifa, ins sichere Spanien bringt. Im Notfall ist hierzulande Hilfe zumindest nicht weit … und Abschlepper für solche Monster von Reisemobil wie das meine gibt's auch!

Bild Tarifa

Gänzlich unerwartet - aber dennoch heilfroh - stehe ich auf dem Stellplatz in Tarifa und fiebere dem Jahreswechsel entgegen - umgeben von Hunderten lärmiger Nachbarn. Eigentlich hatte ich mir die Feiertage anders vorgestellt, doch wie lautet gleich wieder das oberste Gebot jedes Reisenden? Genau: "flexibel bleiben!" Allerdings hoffe ich inständig, dass mit dem Feuerwerk heute Abend auch die übel gelaunten Geister, die für mich das Jahr 2023 geprägt haben nun endgültig vertrieben werden! Darauf heben wir einen: Prosit!


Der Ausblick auf die Bucht von Cádiz entschädigt für manche Mühe.

Ich möchte nicht allzu sehr vorgreifen, doch auch in den nächsten Wochen gibt sich die Lady, als ob sie kein Wässerchen trüben könnte. Den Winter sitzen wir gemeinsam in und um El Puerto de Santa Maria aus, ja sogar die öde Heimreise Mitte März meistert sie klaglos. In München aber muss sie dringend in die Werkstatt, denn die Kupplung spinnt nach wie vor: nicht immer, aber immer mal wieder! Kein Zustand, mit dem ich weitere Touren unternehmen möchte! Deshalb plane ich fürs Frühjahr auch etwas ganz, ganz anderes! Etwa ohne die Lady Grey! Ich hoffe, sie wird es mir nachsehen …


Button Rechts geht's weiter über den weiten Atlantik ('Segelreise', Frühjahr 2024) …

Grafik Grafik P.S. Reisen hat Nebenwirkungen! Positive auf den Reisenden selbst. Negative auf die Umwelt. Bei unserem Tun sollten wir das nicht übersehen! Daher habe ich den CO2-Fußabdruck für diese Etappe um 2.180kg reduziert, indem ich die Einsparung in Schwellen­ländern unterstütze. Mehr zum Thema 'Nachhaltigkeit' findet ihr hier .

Fußnoten:
(die Nummern führen zurück zur jeweiligen Textpassage …)

[1] Im Oktober 1978 war das, damals noch mit dem Minicooper … übrigens nicht allzu weit von hier, drüben in Erfoud und Rissani

[2] Das landestypische Pendant zum Tante-Emma-Laden, mit ähnlichem Sortiment, jedoch auf höchstens zehn Quadratmetern!

[3] Aus bekannten Gründen muss ich mir daher die Veröffentlichung der GPS-Koordinaten verkeifen emoticon emoticon emoticon